Donnerstag. 14. 09. 2017
  // von Chantal Weiland

Wie begründen sich Unterschiede im Preisspiegel?

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Unterschiede im Preisspiegel

In unseren heutigen Beitrag starten wir direkt mit einem Praxisbeispiel. In der folgenden Grafik sehen Sie einen original Preisspiegel aus einer Ausschreibung für Facility Management Leistungen in einem Gebäudekomplexe in Nordrhein-Westfalen. Mit Blick auf den Einheitspreis sind in verschiedenen Positionen deutliche Preisunterschiede erkennbar:

Preisspiegel (Beispiel)

Bei der Fernkälteübergabestation liegt der Bestpreis bei 285,20 Euro. Dem gegenüber steht der Höchstpreis mit 2.444,27 Euro, also fast das 9-fache des günstigsten Preises. Eine Seltenheit? Ein Ausreißer? Waren Leistungsbeschreibungen und Definitionen nicht scharf genug? Leider nein, viele Preisspiegel weisen ähnliche Abweichungen auf. Dies liegt zum einen an der Kalkulationsgrundlage, zum anderen an bewussten Kalkulationsverzerrungen. Auf beide Punkte wollen wir in den folgenden Abschnitten näher eingehen.

 

Dienstleister kalkulieren unterschiedlich

Unterschiedliche Kalkulationsansätze führen zu unterschiedlichen Preisen. Tatsächlich sind in der Praxis unterschiedliche Herangehensweisen zu beobachten:

  • Manche Anbieter arbeiten mit internen Einheitspreis-Katalogen, in denen Kosten für verschiedene Positionen bis hin zur Anlagenebene aufgelistet sind. Diese werden in das Angebot übernommen.
  • Andere Dienstleister kalkulieren je Komponente. Besteht eine raumlufttechnische Anlage aus einem Zuluft- und Abluftventilator und 20 Brandschutzklappen, werden diese Komponenten einzeln bepreist. Anschließend werden die Einzelkosten zu einem Anlagenpreis aufsummiert, der dann in das Angebot übernommen wird.
  • Über die Bauteilebene lässt sich auch eine Kalkulation auf Grundlage der benötigten Zeit durchführen. Hier wird je Bauteil die benötigte Dauer geschätzt. Die summierten Zeiten für die Gesamtanlage werden anschließend mit dem Stundensatz multipliziert und um Materialkosten ergänzt.
  • Einem ähnlichen Prinzip folgt die Kalkulation über den Personaleinsatz. Hier werden die Kosten von dem einzusetzenden Personal abgeleitet.

 

Bewusste Kalkulationsverzerrungen im Preisspiegel

Dadurch, dass der Wettbewerbsdruck für Dienstleister stetig höher wird, arbeiten diese mitunter auch mit sogenannten Kalkulationsverzerrungen. Dies lässt sich gut am Beispiel von Nachträgen erläutern:

Viele Vergabeverfahren entscheiden sich hauptsächlich über den Preis (warum Prof. Rotermund weitere Auswahlkriterien für wichtig erachtet, sehen Sie in diesem Video. Dienstleister sehen sich daher gezwungen, den Auftrag zunächst mithilfe einer günstigen Preisgestaltung zu sichern. Höhere Einnahmen lassen sich in diesem Fall durch etwaige Nachträge erzielen. Daher weisen Anlagen, bei denen keine Nachträge zu erwarten sind (z.B. eine Abwasserhebeanlage), im Angebot vergleichsweise niedrige Einheitspreise auf. Anlagen mit erwartbaren Mehrleistungen wie beispielsweise eine Klimaanlage oder ein Heizkreis, werden entsprechend hoch bepreist.

 

Preisspiegel prüfen

In unseren Ausschreibungsprojekten prüfen wir grundsätzlich jeden Preisspiegel auf Plausibilität. Um die Auskömmlichkeit der Kalkulation auch für Einzelpositionen sicherzustellen, erfolgt die Prüfung mitunter bis auf die Einheitspreisebene.

Sind Sie sich trotz der Ausführungen mit Blick auf Ihren Preisspiegel unsicher? Dann sprechen Sie uns gerne an!

Ihr Kontakt/Ansprechpartner:

Chantal Weiland

rotermund.ingenieure
Pfennigbreite 8
37671 Höxter

Tel.: +49 (0)5271 697 9998

chantal.weiland@rotermundingenieure.de